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Tabak
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Tabak (bundesdeutsches Hochdeutsch: [], österreichisches Hochdeutsch: []; veraltet Tobak, abgeleitet von der kleinen Antillen-Insel Tobago,cite-ref-1[1] in SĂŒdwestdeutschland auch Duwakcite-ref-2[2]) ist ein pflanzliches Produkt und eine nikotinhaltige (legale) Droge, hergestellt aus den LaubblĂ€ttern von Pflanzen der Gattung Nicotiana. Von den etwa 75 Arten dieser Gattung haben jedoch nur zwei Bedeutung fĂŒr die Tabakproduktion: Der Virginische Tabak (Nicotiana tabacum) und der Bauern-Tabak (Nicotiana rustica). Die Nicotiana-Arten sind ĂŒberwiegend in SĂŒdamerika heimisch, einige auch in Australien und Nordamerika. Anbau und Auftrocknung aller Tabaksorten unterliegen einer politischen Regulation (Tabakkontrolle) gemÀà Artikel 17&18 RahmenĂŒbereinkommen der WHO zur EindĂ€mmung des Tabakgebrauchs (2005).
Der Name Tabak ist aus dem spanischen Namen tabaco fĂŒr die Pflanzengattung gebildet. Dieser stammt wiederum von einem Ă€hnlichen Wort, das die ersten EuropĂ€er auf Hispaniola aufgriffen. Die ursprĂŒngliche Bedeutung ist jedoch nicht ĂŒberliefert. Es kann sich um die Pflanzen, um eine Pfeife zum Rauchen oder um ein Tabakblatt, das in ein Maisblatt eingerollt ist, handeln.cite-ref-small-3-0[3]
Contents
âą Beschreibung
âą Nutzung
âą Anbau
âą Fermentation
âą EinfĂŒhrung
âą Aufbereitung
âą Kautabak
âą Schnupftabak
âą Zigarren
âą Zigaretten
âą Ăberblick
⹠HagelschÀden
âą Verbreitung
âą Deutschland
âą Schweiz
âą Allgemeines
âą Kinderarbeit
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Beschreibung
Zu den wichtigsten Bestandteilen des Tabaks zĂ€hlen Nicotincite-ref-4[4] (ein farbloses, bei Raumtemperatur flĂŒssigescite-ref-5[5] Alkaloid), Ammoniumsalze, Cellulose und Proteine. In geringen Mengen sind auch Naturharz, Pflanzenwachs, StĂ€rke, Zucker, GerbsĂ€ure, ĂpfelsĂ€ure, ZitronensĂ€ure, OxalsĂ€ure und die anorganischen Inhaltsstoffe Nitrat, Kalium, Natrium, Calcium, Magnesium, Eisen und Chlor vorhanden. DarĂŒber hinaus reichert sich in den BlĂ€ttern das radioaktive Element Polonium an.cite-ref-6[6] Obwohl noch nicht alle Stoffe bekannt sind, schĂ€tzt man, dass z. B. eine Zigarette und ihr Rauch etwa 6.000 bis 12.000 verschiedene chemische Substanzen enthalten.cite-ref-7[7]
Nutzung
Tabakrauchen ist erwiesenermaĂen gesundheitsschĂ€dlich. Den Daten der Weltgesundheitsorganisation zufolge sterben jedes Jahr ĂŒber 6 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, rund 10 % davon durch Passivrauchen. Der wirtschaftliche Schaden belĂ€uft sich auf rund 950 Mrd. Dollar pro Jahr. Zwar wird gelegentlich auch ein ökonomischer Nutzen diskutiert, etwa durch die Schaffung von ArbeitsplĂ€tzen und die Tabaksteuer,cite-ref-8[8] die negativen ökologischen und sozialen Folgen des Tabakanbaus sind insgesamt jedoch erheblich.cite-ref-who-2018-9-0[9]
Als amerikanische Pflanzenart wurde der Tabak seit jeher von vielen indigenen StĂ€mmen Amerikas verwendet, allerdings weniger als Genussmittel, sondern eher im Rahmen spiritueller Rituale (wobei dies nicht fĂŒr die sogenannte Friedenspfeife der PrĂ€rie-Indianer galt, in der SĂŒĂgras und Salbei verbrannt wurden). Er wurde gekaut, geschnupft, geraucht, gegessen, entsaftet, auf dem Körper verrieben, in Augentropfen und Körperpackungen verwendet. Entweder wurde konzentrierter Tabaksaft von Schamanen als psychotrope (rauscherzeugende), sehr schnell wirkende Substanz verwendet, so etwa bei den Maya und den karibischen StĂ€mmen;cite-ref-10[10] oder der Tabakrauch wurde in groĂen Mengen in den Magen geschluckt, da die halluzinogenen Alkaloide auf diese Weise Visionen hervorrufen können, wie bei einigen Regenwaldethnien in Amazonien.cite-ref-11[11]
Entdeckung und Verbreitung der Tabakpflanzen
Von den Einheimischen in Amerika nach Europa
Von der Existenz der Tabakpflanzen und deren Verwendung erfuhr die Alte Welt durch die Fahrten des Kolumbus nach Amerika.cite-ref-12[12] Der französische Gesandte in Portugal Jean Nicot sorgte fĂŒr die EinfĂŒhrung des Tabaks als Heilpflanze in Frankreich, nach ihm erhielt die Gattung der Tabakpflanze die Bezeichnung âNicotianaâ und gleichzeitig der wichtigste Inhaltsstoff Nikotin. In Europa wurde der Tabak zunĂ€chst als Heilpflanze angebaut. TabakblĂ€tter legte man auf offene Wunden und bei Magenbeschwerden sollte der Kranke Tabaksaft trinken. In einem KrĂ€uterbuch aus dem Jahr 1656 ist ĂŒber Tabak zu lesen: âDieses Kraut reinigt Gaumen und Haupt, vertreibt die Schmerzen und MĂŒdigkeit, stillt das Zahnweh, behĂŒtet den Menschen vor Pest, verjagt LĂ€use, heilet den Grind, Brand, alte GeschwĂŒre, Schaden und Wundenâ.cite-ref-13[13]
Um 1650 hat Der GroĂe KurfĂŒrst Friedrich Wilhelm in seinen als Folge des DreiĂigjĂ€hrigen Krieges menschenleeren Gebieten Hugenotten angesiedelt, die den Tabakbau in seinem Land einfĂŒhrten. Bereits 1666 betrieben eingewanderte Hugenotten in Mannheim Schnupf- und KautabakgeschĂ€fte. Ab 1688 breitete sich der Tabakanbau von der Pfalz und ab 1700 von der badischen OrtsgrĂŒndung Friedrichstal ĂŒber das Gebiet der Hardt zwischen Karlsruhe und Mannheim sowie das nördliche Deutschland aus.
Die weltweite Rohtabakernte in 120 Staaten auf einer AnbauflĂ€che von 4,1 Millionen Hektar betrug im Jahr 2000 rund 7,4 Millionen Tonnen. Der weltgröĂte Tabakanbauer war mit 1,5 Millionen Hektar AnbauflĂ€che und einem Produktionsanteil von 2,6 Millionen Tonnen China. In den Statistiken der FAO wird die TabakanbauflĂ€che 1961 mit 3,4 und 2010 mit 4,0 Millionen Hektar angegeben. Dies bedeutet einen Zuwachs von 17 % bei einer Zunahme der Erdbevölkerung um 122 %. Rein statistisch ist damit die TabakanbauflĂ€che die 1961 ca. 11 Quadratmeter pro Person betrug bis 2010 auf 5,8 Quadratmeter gesunken und hat sich dadurch im VerhĂ€ltnis zur Erdbevölkerung halbiert.
Als Nutzpflanze fĂŒr die Tabakproduktion haben derzeit (2013) nur zwei Arten wirtschaftliche Bedeutung, die zahlreiche VarietĂ€ten bilden und aus denen viele Sorten gezĂŒchtet wurden. Die verbreitetste Art ist der Virginische Tabak (Nicotiana tabacum), zu dem nahezu alle heute angebauten Sorten gehören. Die Tabakernte wird nach entsprechender Verarbeitung weit ĂŒberwiegend fĂŒr Zigaretten genutzt. In Deutschland waren bis Ende des 20. Jahrhunderts die Sorten âFriedrichstalerâ, âHavannaâ, âGeudertheimerâ und âBurleyâ verbreitet. Dies sind dunkle Sorten, die fĂŒr Zigarren und als Beimischung zu dunklen Zigaretten Verwendung fanden. Virginia ist eine aktuelle Sorte, die als Beimischung in helle Zigaretten-Marken verwendet wird. In Osteuropa wird auĂerdem noch Bauern-Tabak (Nicotiana rustica) angebaut und zu Machorka verarbeitet.
Die fermentierten und kleingeschnittenen TabakblĂ€tter (Rauchkraut) können in Tabakspfeifen oder gedreht als Zigaretten, Zigarillos und Zigarren geraucht werden. Das giftige Nikotin wird dabei zu groĂen Teilen verbrannt; nur ein geringer Anteil verdampft und wird inhaliert. Weniger verbreitet ist der Konsum in Form von Smokeless Tobacco, Snus, Kautabak und Schnupftabak. Der Konsum durch Inhalation, Schnupfen oder Kauen ist ebenfalls mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden, die von Herz-Kreislauf-Problemen ĂŒber Durchblutungsstörungen und Impotenz bis hin zu verschiedensten Karzinomformen reichen können. Mehrere dieser Risiken sind auch mit dem Passivrauchen und RĂŒckstandsrauchen verbunden. Der Konsum von Tabakwaren erhöht signifikant das Risiko einer NikotinabhĂ€ngigkeit.cite-ref-14[14]
Wasserpfeifentabak besteht aus einer Mischung von Tabak und Feuchthaltemitteln (Glycerin und/oder Propylenglycol) und kann zudem auch aromatische Ăle, AuszĂŒge, Melassen oder Zucker enthalten oder mit FrĂŒchten aromatisiert sein.cite-ref-warenverzeichnis2013-15-0[15]
Die frĂŒhere Verwendung von TabakbrĂŒhe als Insektizid ist wegen der Gefahr von NikotinrĂŒckstĂ€nden in Nahrungsmitteln inzwischen verboten.
Anbau
Der Tabakanbau ist der landwirtschaftliche Anbau von Tabak als Nutzpflanze zur Gewinnung von Rohtabak aus den geernteten und getrockneten BlĂ€ttern, teilweise auch aus den ganzen Pflanzen. Wegen der groĂen AnpassungsfĂ€higkeit der subtropischen Pflanze wird Tabak bis in die gemĂ€Ăigten Zonen von 38° sĂŒdlicher Breite bis 56° nördlicher Breite angebaut. Die wichtigsten Anbaugebiete sind Volksrepublik China, Nord-, Mittel- und SĂŒdamerika, SĂŒdostasien, Vorderasien/Balkan und Europa.
Zu Anfang des 21. Jahrhunderts lagen fast 90 % der AnbauflĂ€chen in den sĂŒdlichen LĂ€ndern. Besonders in den Niedrig- und MitteleinkommenslĂ€ndern der tropischen und subtropischen Landschaftszonen in Afrika, Lateinamerika und Asien, den Schwellen- und EntwicklungslĂ€ndern des SĂŒdens, nimmt der Tabakanbau zu. Im Zeitraum 1961â2002 ist die AnbauflĂ€che in der âErsten Weltâ um 60 % gefallen und stieg in der gleichen Zeitspanne in der âDritten Weltâ um ca. 60 % an. Beispiele fĂŒr extreme Anbauzunahme ist Malawi mit Verdoppelung und Tansania mit Versechsfachung in 40 Jahren. Der Tabakanbau fĂŒhrt in den afrikanischen Anbaugebieten zu verstĂ€rkter Abholzung von WĂ€ldern, Humusabbau des Bodens und starker wirtschaftlicher AbhĂ€ngigkeit von den TabakaufkĂ€ufern.cite-ref-16[16]
Der Tabakanbau in Europa wurde von der EuropĂ€ischen Union mit Subventionen von bis zu einer Milliarde Euro jĂ€hrlich gefördert.cite-ref-17[17] Davon entfielen rund 150 Millionen Euro auf den Tabakanbau in Deutschland. Ab 2005 wurden 20 Prozent der EU-Zahlungen gezielt dafĂŒr eingesetzt, die Tabakbauern zum Umsteigen auf andere Erzeugnisse zu ermuntern. Im Jahr 2010 wurde die Subventionierung des Tabakanbaus in der EU eingestellt; Umstellungsbeihilfen konnten bis 2013 beantragt werden.cite-ref-18[18]
AusgesĂ€t wird der Tabaksamen zunĂ€chst auf einem Setzlingsbeet, dessen fruchtbare Erde geschĂŒtzt vor starkem Wind, aber von der Sonne beschienen sein soll. Vor dem SĂ€en wird die Erde durch Abbrennen, DĂ€mpfen oder chemische Hilfsmittel z. T. sterilisiert, um Insekten, Parasiten und Unkrautsamen zu vernichten. Das Setzlingsbeet wird in warmen Zonen im Freien angelegt, eventuell durch ein dĂŒnnes Baumwolltuch oder eine dĂŒnne Lage Gras, Stroh oder Piniennadeln vor nĂ€chtlicher KĂŒhle geschĂŒtzt. In kĂŒhlen Regionen wird die Tabakpflanze unter einem Glas- oder Plastikdach gezogen. Von den kleinkörnigen Tabaksamen mit dem Tausendkorngewicht von 0,1 Gramm reichen 2 Gramm Samen fĂŒr ca. 100 mÂČ Anzuchtbeet, die unter gĂŒnstigen Bedingungen 9.000 bis 15.000 Setzlinge liefern. Nach 8 bis 10 Wochen wird eine PflanzengröĂe von 10 bis 18 cm erreicht. Damit ist die Anzucht abgeschlossen und die Pflanzen sind als Setzlinge fĂŒr die Umpflanzung in das Freiland bereit.
Weiterverarbeitung
Die Setzlinge werden in einigen Gebieten durch Setzmaschinen, in den meisten Gegenden jedoch immer noch per Hand in das Feld umgepflanzt. Die Setzlinge werden je nach Sorte in unterschiedlichen AbstĂ€nden eingepflanzt, am weitesten auseinander Perique (Abstand der Reihen 1,5 m, Abstand der Pflanzen in einer Reihe 91â107 cm), sehr viel enger z. B. Burley in Europa (65 cm; 50 cm)cite-ref-19[19]. Wenn die BlĂŒte erscheint, wird diese abgeschnitten (Fachbegriff âgeköpftâ), um die PflanzennĂ€hrstoffe ausschlieĂlich den BlĂ€ttern zuzufĂŒhren. Lediglich fĂŒr die Saatgutproduktion ausgesuchte Pflanzen werden geschont, um aufzublĂŒhen und Samen zu erzeugen.
Die optimale Zahl der BlĂ€tter variiert: dunkle, spĂ€ter luft- oder feuergetrocknete Tabakpflanzen sollten 10â16, Burley- oder Maryland-Tabakpflanzen 16â20 BlĂ€tter haben, wobei die unteren BlĂ€tter weniger Nikotin enthalten. Jede Pflanze stellt eine Art QualitĂ€tspyramide dar. Die unteren BlĂ€tter (Sandblatt) wurden frĂŒher als Um- und Deckblatt fĂŒr Zigarren verwendet; mit dem Trend zum leichteren Rauchen wurden die niedrigen Nikotingehalte dieser Erntestufe auch in der Zigarettenherstellung bedeutsam. Im oberen Teil der Pflanze, dem Hauptgut und Obergut, sind Nikotingehalt, Aroma und Duft ansteigend.
Die Ernte erfolgt 70 bis 130 Tage nach der Feldpflanzung, wobei ĂŒblicherweise die einzelnen BlĂ€tter je nach Reifezustand geerntet werden. Die Ernte beginnt mit den unteren BlĂ€ttern, nachdem diese gelblich gefĂ€rbt sind. In AbstĂ€nden von fĂŒnf bis sieben Tagen erfolgt jeweils die Ernte von zwei weiteren BlĂ€ttern. Die TabakblĂ€tter werden mit möglichst wenig Gehalt an StĂ€rke am frĂŒhen Vormittag geerntet. Danach sollen die BlĂ€tter einige Stunden welken, um bei der Weiterverarbeitung BlattschĂ€den zu vermeiden. Löcher in den BlĂ€ttern wĂ€hrend der Verarbeitung bedeuten einen erheblichen QualitĂ€tsverlust.
Nach der Ernte muss der Tabak getrocknet werden. Bei der verbreiteten Naturtrocknung wird der Tabak auf SchnĂŒre âeingefĂ€deltâ und zwei bis drei Monate in geschlossenen oder mit Jalousien versehenen Schuppen aufgehĂ€ngt. Ăberwiegend Virginia-Tabaksorten werden in HeiĂlufttrockenschuppen behandelt, in welchem die Trocknung in nur vier bis acht Tagen erfolgt.
In einigen Gebieten erfolgt die Ernte auch als Ganzpflanzenernte; dabei wird die gesamte Pflanze abgeschnitten und zur Trocknung umgekehrt in ĂŒberdachten RĂ€umen aufgehĂ€ngt. Nach der Austrocknung der BlĂ€tter werden diese geerntet und der Strunk als Brennmaterial verwendet.
Fermentation
EinfĂŒhrung
Unter der Fermentation des Tabaks wird ein GĂ€rungsprozess verstanden, der die getrockneten TabakblĂ€tter in einen lager- und verbrauchsfĂ€higen Zustand bringen soll. Bei der Fermentation setzen sich chemische und enzymatische Prozesse fort, die bei der Reife des Blattes beginnen und in der Trocknung weitergehen. Die Fermentation ist ein biotechnischer Veredelungsprozess, bei dem Reaktionen ablaufen, die durch blatteigene Fermente, mikrobiologische VorgĂ€nge und chemische Reaktionen ausgelöst werden. Die Fermentation fĂŒhrt zum Abbau unerwĂŒnschter EiweiĂe und Pflanzenschutzmittelreste, dient dem Farbausgleich und der Verminderung von Nikotin und Rauchkondensat und fördert die Aromabildung.
Je nach Sorte, Jahrgang, Erntekategorie und Reifegrad des Blattes, Trocknungsverfahren und vorgesehenem Verwendungszweck wird der Fermentationsprozess gesteuert. Der GĂ€rungsvorgang setzt beim Tabak meist von selbst ein, wenn ein Stapel von mindestens acht Kubikmeter Rohtabak zusammengesetzt wird. Erstes messbares Anzeichen ist dabei das Ansteigen der Temperatur innerhalb des Stapels.
Natur-, Stock- oder Stapelfermentation
Die Naturfermentation stellt die Ă€lteste Fermentationsmethode dar. Dabei werden die TabakbĂŒschel, so wie sie von den Pflanzern abgeliefert wurden, zu rechteckigen Stapeln bzw. Stöcken mit einer KantenlĂ€nge von drei bis vier Metern im Quadrat auf eine Höhe von zwei bis zweieinhalb Metern zusammengesetzt. In der Regel fasst ein solcher Stock vier bis sechs Tonnen Tabak. Im Verlauf der Fermentation sinkt der Stock auf eine Höhe von unter zwei Metern zusammen. Die ErwĂ€rmung des Tabakstapels setzt bereits nach wenigen Tagen ein.
Die Temperatur wird mit langen Rohrthermometern tĂ€glich kontrolliert. Je nach FermentaktivitĂ€t steigen die Temperaturen oft sehr rasch auf 40 bis 55 °C. Der spĂ€tere Verwendungszweck bestimmt, wie hoch die Temperaturen im Stock ansteigen dĂŒrfen. Ist die gewĂŒnschte Temperatur erreicht, wird der Stapel so umgesetzt, dass die bisher Ă€uĂeren BlĂ€tter in die Mitte des Stapels kommen und umgekehrt. Die Zahl der UmschlĂ€ge bzw. der wiederholten Fermentation hĂ€ngt weitgehend von der spĂ€teren Verarbeitungsrichtung ab. In der Regel werden die Grumpen höchstens drei- bis viermal umgeschlagen, wĂ€hrend Sandblatt und Hauptgut in manchen Jahren bis zu fĂŒnf bis sechs Umsetzungen erfahren, was eine Fermentationsdauer von drei bis fĂŒnf Monaten bedeuten kann.
Nach dem GĂ€rungs- und Fermentationsprozess wird der Tabak im FrĂŒhjahr auf sogenannte KĂŒhlbĂ€nke gesetzt. Die Tabake kĂŒhlen dabei aus und verlieren an Feuchtigkeit. Der Tabak erfĂ€hrt auf den KĂŒhlbĂ€nken darĂŒber hinaus eine sogenannte Nachreife und ist erst nach völliger AuskĂŒhlung und einer Feuchtigkeit von 16 bis 18 % verpackungsfĂ€hig. Bei der Naturfermentation verliert der Tabak nicht nur Feuchtigkeit, sondern auch Substanz. Dieses sogenannte Dekalo betrĂ€gt je nach Ernteanteil und Sorte bei der Naturfermentation 16 bis 25 %.
Kammerfermentation
Bei dieser Fermentationsart wird unter kontrollierten Klimabedingungen mit kĂŒnstlicher ErwĂ€rmung und Luftbefeuchtung gearbeitet. WĂ€hrend bei der Naturfermentation die Tabake in groĂen RĂ€umen zu Stöcken zusammengesetzt werden, wird bei der Kammerfermentation der Tabak in Klimakammern auf Paletten gesetzt. Durch Schaffung gĂŒnstiger Umweltbedingungen (WĂ€rme und Feuchtigkeit) wird das Tabakblatt schneller in die Lage versetzt, sich zu erwĂ€rmen und somit zu fermentieren. HĂ€ufig gelangen Tabake in die Kammer, die von sich aus nur wenig FermentaktivitĂ€t mitbringen, das heiĂt, diesen Tabaken wird in der Kammer der nötige Schub zur Fermentation gegeben. Auch Tabake, die sich in der Stockfermentation nur ein- oder zweimal erwĂ€rmen, werden in der Kammer fertig fermentiert.
Maschinenfermentation oder Redrying-Verfahren
Eigentlich ist das Redrying-Verfahren mehr eine Konditionierung (Haltbarmachung) und Farbfixierung des Tabaks. Diese Fermentationsart wird ĂŒberwiegend fĂŒr helle heiĂluftgetrocknete Virgintabake und luftgetrockneten Burleytabak angewendet. Vielfach wird die Maschinenfermentation auch zur Nachbehandlung von Tabaken aus der Natur- und Kammerfermentation angewendet.
Die Fermentationsmaschinen bestehen aus einem tunnelartigen GehĂ€use, das in der Regel in einer gegen WĂ€rmeverlust isolierten Eisenkonstruktion ausgefĂŒhrt ist. Ăblicherweise sind diese Maschinen in vier Abschnitte unterteilt: in die WĂ€rme- und Trocknungszone, die AbkĂŒhlungszone sowie die Befeuchtungszone und den Ablauf. Da insbesondere fĂŒr die WĂ€rme- und Trocknungszone ein gewisser Durchlaufbereich notwendig ist, schwankt die LĂ€nge der Fermentationsmaschine zwischen 30 und 80 m bei einer Breite von 2 bis 3 m. Die Durchlaufzeit betrĂ€gt je nach LĂ€nge und IntensitĂ€t ein bis zwei Stunden. Die Tabake werden entweder in Docken oder BĂŒscheln auf StĂ€ben aufgehĂ€ngt oder auch als Losblatt auf einem endlosen Rost durch die Maschine gesandt.
In der Maschine erfolgt der Aufbereitungsprozess dadurch, dass die Tabake zunĂ€chst bei Temperaturen von 10 bis 100 °C auf einen Wassergehalt von unter 10 % getrocknet werden. Der nachfolgenden AbkĂŒhlung auf ca. 20 °C folgt eine Befeuchtungszone, in der der Tabak mit Wasserdampf soweit angefeuchtet wird, dass er nach dem Auslaufen bearbeitet werden kann. Die Abbaurate von unerwĂŒnschten Stoffen liegt zwar niedriger als bei den anderen beiden Verfahren, sie reicht aber fĂŒr chlorophyllarme, insbesondere Virgin- und Burleytabake â je nach Verwendung â völlig aus.
Aufbereitung
Kautabak
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Hauptartikel
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Kautabak
Bis ins letzte Jahrhundert wurden aus fermentierten TabakblĂ€ttern ĂŒberwiegend StrĂ€nge geflochten, von welchen mit dem Messer Kauportionen abgeschnitten werden konnten. Heute entstehen die Kautabake fast ausschlieĂlich durch Verspinnen der gesoĂten TabakblĂ€tter.
Schnupftabak
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Hauptartikel
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Schnupftabak
Man unterscheidet schwarze Schnupftabake (Kopenhagener, GroĂer Kardinal, HollĂ€nder, Pariser, StraĂburger, Schmalzler, Fresco), grĂŒne Schnupftabake (nach der Schnellmethode hergestellter Gesundheitstabak, Marino, Augen- tabak, Kownoer, Tilsiter, Russischer) und wohlriechende Schnupftabake (Rosentabak, Veilchentabak, Pariser).
Rauchtabak (Pfeife)
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Hauptartikel
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âPfeifentabakâ im Artikel Tabakpfeife
FĂŒr Rauchtabak (vorwiegend Virginia-, Burley-, Kentucky- und Orienttabak) werden die TabakblĂ€tter maschinell gefeuchtet, gelöst, gemischt und in SoĂiertrommeln mit 15 bis 50 % SoĂe (hauptsĂ€chlich aus Zucker, dazu Weichmachungsmittel, Glycerin oder Glycole) versehen, anschlieĂend maschinell geschnitten: Feinschnitt bis 1,5 mm; KrĂŒllschnitt 1,5â3 mm; Grobschnitt mehr als 3 mm.
Zigarren
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Hauptartikel
:
Zigarre
Die Zigarre besteht aus der gefeuchteten, maschinell entrippten Einlage (nur billige Zigarren enthalten auch gefaserte Rippen), dem handentrippten Umblatt (aus Sandblatt) und einem starken, sich seidig anfĂŒhlenden und gute Verbrennungseigenschaften besitzenden Deckblatt. Mittels des Umblattes und der Einlage wird ein Wickel gerollt (beim Stumpen verklebt), in die gewĂŒnschte Form gepresst, vorgetrocknet und durch Roller (oder maschinell) mit dem wendelförmig aufgelegten Deckblatt versehen. Zigarren werden aus dunklem lufttrockenem Tabak (DLT) hergestellt und gelten als weniger gesundheitsschĂ€dlich im Vergleich zu Zigaretten, da in ihnen weniger krebserzeugende Schwelprodukte (aus zyklischen Kohlenwasserstoffen) nachweisbar sind. Da der Zigarrenrauch ĂŒberwiegend basische Bestandteile enthĂ€lt (im Unterschied zu dem wegen des im Zigarettentabak verbliebenen Zuckers sauren Rauch der Zigarette), ruft er kaum einen Rachenkatarrh hervor.
Zigaretten
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Hauptartikel
:
Zigarette
Zur Zigarettenherstellung werden die Tabake (Orient in Klimaanlagen, Virginia-, Burley- und dunkle Tabake durch AndĂ€mpfen, seit Mitte des 20. Jahrhunderts im Vakuumverfahren) befeuchtet und entrippt. Die Rippen werden gedĂ€mpft, gewalzt, soĂiert, geschnitten und geröstet.
Krankheiten und SchÀdlinge im Tabakanbau
Ăberblick
Tabak ist eine Pflanze der Subtropen mit hoher WĂ€rmebedĂŒrftigkeit und geringer KĂ€ltetoleranz. Unter 15 °C ist das Wachstum gehemmt, bei 0 °C werden die BlĂ€tter geschĂ€digt, bei â3 °C sterben die Pflanzen. FĂŒr einen guten Wuchs benötigt die Tabakpflanze neben WĂ€rme genĂŒgend Feuchtigkeit, dies sind allerdings auch die besten Voraussetzungen fĂŒr die verbreiteten Krankheiten des Tabaks. Leichter Wind steht dem Pilzbefall entgegen, starker Wind und Hagel zerstören die BlĂ€tter und machen sie fĂŒr die Verarbeitung unbrauchbar.
Der Tabakblauschimmel (Peronospora tabacina) ist die gefĂ€hrlichste und eine auf der ganzen Welt verbreitete Krankheit. Im Jahr 1960 trat er erstmals in Europa auf und vernichtete in diesem Jahr einen GroĂteil der Ernte. Auf der Blattunterseite bildet sich der fĂŒr die Peronospora-Pilze typische graublĂ€uliche Belag, es entstehen Löcher in den BlĂ€ttern die eine Verwendung als Rohstoff fĂŒr Zigarren und Zigaretten verhindert. BekĂ€mpft werden kann diese Krankheit nur durch den prophylaktischen Einsatz von Fungiziden und durch eine Fruchtfolge, in der Tabak frĂŒhestens nach drei Jahren wieder auf der gleichen FlĂ€che angebaut wird. Inzwischen stehen auch pilzwiderstandsfĂ€hige Sorten wie etwa Pergeucite-ref-20[20] zur VerfĂŒgung.
Weitere Pilzkrankheiten sind die WurzelbrÀune (Thielaviopsis basicola) und Sclerotinia-Krankheit (Sclerotinia sclerotiorum), die Bakterien-Krankheit Wildfeuer (Pseudomonas tabaci) sowie verschiedene Viruskrankheiten insbesondere Tabakmosaikvirus (Tabacco mosaic virus).
Ein verbreitetes Unkraut im Tabakanbau Europas ist der schwer bekÀmpfbare Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense); der Schmarotzer Orobanche cernua schÀdigt die Pflanzen durch Entzug wichtiger NÀhrstoffe.
SchĂ€dlinge des Tabaks sind Engerlinge (Larven der Mai- und JunikĂ€fer; Melolontha melolontha), DrahtwĂŒrmer (Agriotes spp.), Schnecken (Deroceras sp.) und StĂ€ngelĂ€lchen (Ditylenchus dipsaci).
HagelschÀden
WĂ€hrend der Tabakbau in Europa nur selten gröĂere qualitative und quantitative EinbuĂe durch Pflanzenkrankheiten oder SchĂ€dlinge erleidet (Ausnahme 1960), können Witterungsextreme eine gröĂere Rolle spielen. Besonders die BeschĂ€digung der TabakblĂ€tter durch Hagelschlag kann zum Totalverlust fĂŒhren. Fast alljĂ€hrlich werden Tabakpflanzungen durch Hagel in Mitleidenschaft gezogen. Das wichtige QualitĂ€tsmerkmal in der Tabakerzeugung, groĂe unbeschĂ€digte TabakblĂ€tter mit einem feinen Blattgewebe zu erreichen, wird durch Hagel verhindert.
HagelschieĂen mit Silberiodid oder das VersprĂŒhen aus Flugzeugen ist nur aus Italien und Osteuropa in groĂen zusammenhĂ€ngenden Anbaugebieten bekannt, aber ihre Wirkung ist umstritten. Da im spezialisierten Erwerbstabakbau die meisten Pflanzer auf den Erlös aus dem Tabakanbau angewiesen sind und starke HagelschlĂ€ge zum Ruin der Betriebe fĂŒhren kann, werden in den verschiedenen Anbaugebieten von Versicherungsgesellschaften HagelversicherungsvertrĂ€ge angeboten. Allerdings sind die PrĂ€mien mit 9 bis 14 % des Versicherungswertes relativ hoch, weshalb viele Anbauer auf eine Versicherung verzichten.
Welternte und Handel von Rohtabak
Im Jahr 2021 betrug die weltweite Rohtabakernte in 122 Staaten auf einer AnbauflĂ€che von 3,1 Millionen Hektar rund 5,9 Millionen Tonnen. Die Volksrepublik China war mit 937.915 Hektar AnbauflĂ€che und einem Produktionsanteil von 2,1 Millionen Tonnen der weltgröĂte Tabakanbauer.
| Staat | AnbauflÀche in Hektar [ 21 ] | Produktion in Tonnen [ 22 ] |
|---|---|---|
| China Volksrepublik Volksrepublik China | 937.915 | 2.127.600 |
| Indien Indien | 432.840 | 757.514 |
| Brasilien Brasilien | 349.384 | 744.161 |
| Indonesien Indonesien | 205.407 | 237.115 |
| Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten | 88.600 | 216.800 |
| Tabakhandel 2021 | Tabakhandel 2021 | Tabakhandel 2021 |
|---|---|---|
| Staat | Import in 1.000 US-Dollar | Export in 1.000 US-Dollar |
| China Volksrepublik Volksrepublik China | 1.157.740 | 486.559 |
| Belgien Belgien | 813.587 | 1.050.850 |
| Deutschland Deutschland | 784.117 | 348.887 |
| Polen Polen | 669.371 | 93.632 |
| Russland Russland | 607.568 | 24.792 |
| Indonesien Indonesien | 586.682 | 213.449 |
| Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten | 585.524 | 843.240 |
| Dominikanische Republik Dominikanische Republik | 371.229 | 143.043 |
| Turkei TĂŒrkei | 342.041 | 260.938 |
| Niederlande Niederlande | 339.602 | 167.842 |
| Summe aller aufgefĂŒhrten LĂ€nder | 6.257.461 | 3.633.232 |
Verbreitung
Vereinigte Staaten von Amerika
Auf dem Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten wurde Tabak von Indianern, die ihn als Genussmittel, als spirituelle Droge und fĂŒr medizinische Zwecke verwendeten, bereits lange vor der Ankunft der EuropĂ€er geerntet.cite-ref-23[23] Die Spanier ĂŒbernahmen die Verwendung als Genussmittel schnell und fĂŒhrten den Tabak 1518 in Europa ein. Als in der Kolonie Virginia 1607 die ersten englischen Siedler landeten, war Tabak auch in England bereits bekannt und stark nachgefragt. Anstelle der wilden Tabakpflanzen, die die Indianer verwendeten, setzte sich auf den Tabakfeldern der weiĂen Siedler jedoch eine mildere Tabakart durch, die der EnglĂ€nder John Rolfe um 1612 illegal aus Spanisch-Amerika eingefĂŒhrt hatte. Tabak wurde im 17. Jahrhundert zum wichtigsten Exportprodukt von Virginia. Bis 1619 wurden ĂŒber Jamestown 10 Tonnen Tabak nach Europa verschifft, bis 1639 wurden es 750 Tonnen. Aufgrund seiner guten VerkĂ€uflichkeit galt Tabak als so wertvoll, dass er in Virginia weithin als Zahlungsmittel anerkannt war.
Die Siedler hatten den Tabak anfangs nur als eintrĂ€gliche Nebenerwerbsquelle neben der Landwirtschaft angebaut, legten dann jedoch bald Plantagen an, deren hoher Bedarf an ArbeitskrĂ€ften zunĂ€chst vor allem durch Schuldknechte gedeckt wurde. Nachdem viele Schuldknechte 1676 an Baconâs Rebellion teilgenommen hatten, ersetzten die Pflanzer ihre ArbeitskrĂ€fte durch Sklaven. Als der erste Tabakpflanzer in Virginia, der seine Plantage mit Sklaven bewirtschaftete, gilt William Fitzhugh (1741â1809). Die Pflanzer in Virginia waren nicht die ersten Sklavenhalter auf dem spĂ€teren Staatsgebiet der Vereinigten Staaten, sie waren jedoch die ersten, deren Nachfrage nach billigen ArbeitskrĂ€ften so groĂ war, dass sie Sklaven direkt aus Afrika zu importieren begannen und damit am atlantischen Dreieckshandel teilnahmen. Sie waren auch die ersten, die ihre Sklaven im berĂŒchtigten Kolonnensystem einsetzten. Die Arbeit auf den Tabakplantagen war auĂerordentlich hart und erstreckte sich ĂŒber den gröĂten Teil des Jahres, anders als die Baumwollproduktion im Tiefen SĂŒden umfasste sie jedoch viele ArbeitsgĂ€nge, die von den Sklaven Spezialkenntnisse und besondere Erfahrung verlangten. Auch FĂ€sser, Scheunen und Rollwagen wurden bei der Tabakproduktion benötigt, sodass Sklaven sich z. B. als KĂŒfer, Schreiner oder Wagenbauer qualifizieren konnten und damit die Möglichkeit erlangten, in der Hierarchie der Plantage zumindest in bescheidenem Umfang aufzusteigen.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]cite-ref-26[26]
Die amerikanischen Bundesstaaten, in denen heute die gröĂten Mengen Tabak angebaut werden, sind North Carolina, Kentucky, Tennessee, Virginia, South Carolina und Georgia. In geringerem Umfang wird Tabak auch in Ohio, Indiana, Florida, Maryland, Pennsylvania, Missouri, West Virginia und Alabama produziert.cite-ref-27[27] Im Jahr 2005 wurden in den USA 0,47 Millionen Tonnen Tabak produziert. Mit 7 % des weltweit produzierten Tabaks waren die Vereinigten Staaten â nach der Volksrepublik China, Indien und Brasilien â der viertgröĂte Tabakproduzent der Welt. Konsumiert wurden in den USA zur selben Zeit 0,43 Millionen Tonnen Tabak; das entspricht 6,2 % der Tabakproduktion weltweit (zum Vergleich: der Anteil der Einwohner der USA an der Weltbevölkerung betrĂ€gt ca. 4,6 %). Nach der Volksrepublik China, der EuropĂ€ischen Union und Russland waren die USA damit der fĂŒnftgröĂte Tabakverbraucher weltweit. Das gröĂte amerikanische Unternehmen, das Tabakerzeugnisse fĂŒr den amerikanischen Markt produziert, ist Philip Morris USA, ein Tochterunternehmen der Altria Group, zu dem auch das fĂŒr den internationalen Markt produzierende Unternehmen Philip Morris International gehört. Weitere groĂe amerikanische Hersteller von Tabakerzeugnissen sind Reynolds American, die Lorillard Tobacco Company und die Liggett Group. Stark verbreitet ist in den USA auch der Konsum von Smokeless Tobacco, dessen gröĂter Hersteller die in Stamford, Connecticut ansĂ€ssige U.S. Smokeless Tobacco Company ist.
Deutschland
â
Hauptartikel
:
Tabakanbau in Deutschland
Der Tabakanbau in Deutschland hatte im Weltmarkt immer nur eine untergeordnete Bedeutung. Wenngleich er im 20. Jahrhundert bis zu 200.000 Bauernfamilien den Lebensunterhalt sicherte, so war doch höchstens 1 % des Weltanbaus deutschen Ursprungs. Bis Ende der 1960er Jahre war auch der Tabakanbau zur Selbstversorgung in Deutschland recht gebrĂ€uchlich. In Deutschland wird (2011) Tabak nur noch auf wenigen FlĂ€chen in Baden zwischen Mannheim und Lahr, in Mittelsachsen und in der SĂŒdpfalz angebaut. DarĂŒber hinaus wird verstĂ€rkt versucht, den noch verbliebenen Tabakanbauern den Umstieg auf alternative Nutzpflanzen zu erleichtern.
In Deutschland vertritt der Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer die Interessen der Produzenten, in Europa der EuropĂ€ische Tabakwaren-GroĂhandels-Verband (ETV).
Schweiz
Mit dem Plan Wahlen wurde die AnbauflÀche von Tabak in der Schweiz zwischen 1939 und 1946 von 770 Hektar auf 1472 Hektar verdoppelt.cite-ref-28[28] Die Schweiz hatte 2015 einen Selbstversorgungsgrad von 3,2 Prozent. 2018 wurde auf 420 Hektar Tabak angepflanzt, vor allem in den Kantonen Waadt und Freiburg.cite-ref-29[29] 2024 gab es noch rund 120 Tabakproduzenten in der Schweiz.cite-ref-30[30]
Ăkologische und soziale Folgen des Tabakanbaus
Allgemeines
Die erste Studie der Weltgesundheitsorganisation zu den Gesamtwirkungen von Tabakrauchen bilanzierte 2017,cite-ref-31[31] dass es neben Ăkosystemzerstörungen zu sozialen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen in AnbaulĂ€ndern des globalen SĂŒdens kommt und wirft transnationalen Tabakkonzernen Greenwashing vor.cite-ref-32[32] Im Jahr 2022 bezeichnete WHO die Tabakindustrie als âgröĂten Umweltverschmutzer der Weltâ.cite-ref-who2022-33-0[33] Die weltweite Herstellung und der Konsum kosten jĂ€hrlich 600 Mio. BĂ€ume, 8 Mio. Menschenleben und 22 Billionen Liter Wasser. AuĂerdem werden dabei 84 Mio. Tonnen CO2 ausgestoĂen.cite-ref-who2022-33-1[33] Ein von British American Tobacco in Auftrag gegebenes Gutachten zum WHO-RahmenĂŒbereinkommen kommt zu dem Schluss, dass die Zerstörung tropischer TrockenwĂ€lder die gröĂte der negativen Auswirkungen des Tabakanbaus auf die Umwelt sein könnte.cite-ref-34[34] Die Kosten fĂŒr die Tabak-Abfallbeseitigung (unter anderem 4,5 Billionen Zigarettenstummel) trĂŒgen nahezu immer die Steuerzahlenden und nicht die Industrie.cite-ref-who2022-33-2[33]
Betrachtung der Lieferkette von Tabak
Der Anbau und die Trocknung von Tabak sowie die Herstellung, die Distribution, der Konsum und die Entsorgung von Zigaretten bringen in der weltweiten Lieferkette von Tabak einen erheblichen Einsatz von Ressourcen mit sich; die Folge ist die risikobehaftete Produktion von AbfĂ€llen und AusstöĂen.cite-ref-35[35] Dadurch werden die ohnehin stark beanspruchten natĂŒrlichen Ressourcen des Planeten und seine anfĂ€lligen Ăkosysteme durch Tabak weiter unter Druck gesetzt und die Lebensgrundlagen und zukĂŒnftige Entwicklung von gesellschaftlichen VerbĂ€nden auf der ganzen Welt bedroht.cite-ref-who-2018-9-1[9] Eine Untersuchung der Welthandelsorganisation aus dem Jahr 2018 hat ergeben, dass der ökologische FuĂabdruck von Tabak zusammengenommen mit dem ganzer Staaten vergleichbar ist und seine Produktion oft umweltschĂ€dlicher ist als die von lebensnotwendigen GĂŒtern wie Nahrungspflanzen.cite-ref-who-2018-9-2[9] Der Tabakanbau geht in den meisten LĂ€ndern des âSĂŒdensâ einher mit Armut, Verschuldung, ökonomischer AbhĂ€ngigkeit der Kleinbauern von Plantagenbesitzern und GroĂkonzernen sowie mit Kinderarbeit und Umweltzerstörung.cite-ref-36[36] DarĂŒber hinaus blockiert der Tabakanbau FlĂ€chen, die fĂŒr die Produktion von Nahrungsmitteln genutzt werden könnten. Daher und wegen der GesundheitsschĂ€dlichkeit des Rauchens gibt es weltweit Bestrebungen, Alternativen zum Tabakanbau zu entwickeln.cite-ref-37[37]
Holzverbrauch und Tropenwaldzerstörung
Seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts (Kreation des Virginia-Tabaks fĂŒr massenhaften Zigarettenkonsum) wird Holz verwandt, um grĂŒne TabakblĂ€tter rauchfertig aufzutrocknen, und wenige holzsparende oder -ersetzende Alternativen hierzu existieren in Entwicklungs- und SchwellenlĂ€ndern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Alleine fĂŒr Zwecke der Trocknung (curing) werden so jedes Jahr 1,4 Mill. metrische Tonnen Holz aufgewandt und verbrannt. Da der GroĂteil des Brennholzes natĂŒrlichen WĂ€ldern entnommen wird, betrug das AusmaĂ der jĂ€hrlichen Entwaldung Mitte der 1990er Jahre in mehr als der HĂ€lfte der AnbaulĂ€nder des globalen SĂŒdens 211.000 ha, d. h. rund 2.124 ha pro Land und Jahr. Die WHO-Studie 2017 bewertet den Holzverbrauch heute als unverĂ€nderlich hoch, wohingegen das Potential zur Reduktion niedrig bleibt; weitergehend â und im Vergleich mit anderen KulturfrĂŒchten â wird Tabakanbau als âaggressivâ bewertet, was den Einfluss auf die Zerstörung v. a. trockentropischer Waldformationen (wie z. B. Miombo) betrifft.cite-ref-38[38]
AbhÀngigkeiten vom Tabakanbau aufgrund von Monokulturen
In einigen der Ă€rmeren LĂ€nder der Welt stellt die Tabakindustrie einen schwer zu ersetzenden Wirtschaftsfaktor dar. So warnte 2010 die âInternational Tobacco Growers Associationâ (eine Frontorganisation fĂŒhrender Tabakkonzernecite-ref-39[39]): âNach einer Umsetzung der WHO-Vorgaben werden einige der Ă€rmsten LĂ€nder Afrikas, die vom Tabakanbau abhĂ€ngig sind, von ernsthaften sozialen und ökonomischen Krisen und dem Verlust von ArbeitsplĂ€tzen in bislang ungekanntem AusmaĂ betroffen sein. Allein in Malawi sind siebzig Prozent der Arbeiter und Arbeiterinnen direkt oder indirekt im Tabakanbau beschĂ€ftigt. Sie haben keine Alternative und die WHO kann ihnen keine anbieten.âcite-ref-40[40] Malawi rangiert im LĂ€nderranking im Bericht ĂŒber die menschliche Entwicklung, der jedes Jahr vom UN-Weltentwicklungsprogramm UNDP herausgegeben wird, an 173. Stelle (2015).cite-ref-41[41]
DemgegenĂŒber argumentiert die Organisation Unfairtobacco, dass es relativ leicht möglich sei, BeschĂ€ftigten in Tabakplantagen in Ă€rmeren und in SchwellenlĂ€ndern neue Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen,cite-ref-42[42] beispielsweise mit dem Anbau von Baumwolle oder Cassava.cite-ref-43[43]cite-ref-44[44]
Kinderarbeit
Nach einem Bericht von Human Rights Watchcite-ref-45[45] dĂŒrfen bei der Tabakernte in den USA auch Kinder ab einem Alter von 12 Jahren arbeiten. Sie wĂ€ren dort Nikotin (ĂŒber Hautkontakt) und toxischen Pestiziden ausgesetzt. 90 Prozent der gesamten US-Tabakproduktion kĂ€men aus North Carolina, Kentucky, Tennessee und Virginia, in einem 138-seitigen Bericht âTobaccoâs Hidden Children: Hazardous Child Labor in US Tobacco Farmingâ wird dokumentiert, unter welchen Bedingungen Kinder dabei arbeiten.cite-ref-46[46]
In Malawi wĂ€ren etwa 80.000 MinderjĂ€hrige regelmĂ€Ăig an Ernte und Verarbeitung von Rohtabak beteiligt. Viele wĂŒrden unter Kopf- und Bauchschmerzen, MuskelschwĂ€che und schmerzhaftem Husten leiden, was âtypische Symptome einer Nikotinvergiftungâ wĂ€ren. Bei Arbeit ohne Schutzkleidung wĂŒrde ein Kind bis zu 54 Milligramm Nikotin ĂŒber die Haut aufnehmen; âso viel, als hĂ€tte es 50 Zigaretten gerauchtâ.cite-ref-47[47]
Geschichte des Konsums
â
Hauptartikel
:
Geschichte des Tabakkonsums
Die Geschichte des Tabakkonsums in Europa reicht bis ins Jahr 1492 zurĂŒck, als Christoph Kolumbus den amerikanischen Kontinent erreichte. Die dort lebenden Einwohner hatten schon das Tabakrauchen gekannt. Im Laufe der Jahre hat sich der Konsum sehr verĂ€ndert. So gibt es verschiedene Konsumformen, Marken, sodass gar eine eigene Marktbranche entstand. Mit der Verbreitung ist auch die Kritik aufgekommen, sodass viele LĂ€nder das Rauchen an verschiedenen Orten gesetzlich verbieten.
Siehe auch
âą Tabakverordnung
âą Rauchverbot
âą Third-hand smoke
âą Tabakmuseum Mahlberg, ein Tabakmuseum in Baden-WĂŒrttemberg mit rund 1.500 mÂČ AusstellungsflĂ€che
âą Deutsches Tabak- und Zigarrenmuseum in BĂŒnde
Literatur
âą B. Hortmann: Der Tabakbau. J.L. Romenâsche Buchhandlung, Emmerich 1855; archive.org.
âą Karl Schmid: Tabakforschung. Sonderheft anlĂ€sslich des 25-jĂ€hrigen Bestehens des Instituts. Bundesanstalt fĂŒr Tabakforschung, Juli 1953.
âą Jacob Wolf: Der Tabak und die Tabakfabrikate, umfassend die Geschichte, den Anbau, die Natur und Produktion, die Behandlung, die Chemie und Klassifizierung, den Handelsverkehr, die Weltstatistik, die steuertechnische, soziale und hygienische Bedeutung des Tabaks, sowie die Verarbeitung desselben zu Zigarren, Zigaretten, Rauch-, Kau- und Schnupftabak. Bernhard Friedrich Voigt, Leipzig 1912.
âą Annerose Menninger: Genuss im kulturellen Wandel. Steiner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-515-09179-4.
Weblinks
Commons
: Tabak
â Album mit Bildern und Videos
Wiktionary: Tabak
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikisource: Tabak
â Quellen und Volltexte
âą Literatur von und ĂŒber Tabak im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⹠Tobias Zick: Das blutige GeschÀft mit den Tabaksklaven. sueddeutsche.de, 2016
âą Thomas Grasberger: Die Tabakpflanze â GefĂ€hrliche VerfĂŒhrerin. Bayern 2 Radiowissen, Ausstrahlung am 10. Juli 2020 (Podcast).
Einzelnachweise
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